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Fishbed gegen Tiger II – Der Luftkrieg über Ogaden

(Tom Cooper / Solomon Nadew / Chuck Canyon) Als sich im Sommer 197 die somalische Regierung dazu entschloss, die äthiopische Provinz Ogaden militärisch anzugreifen, um sie anschließend aus ethnischen Gründen dem eigenen Staatsgebiet einzuverleiben, glaubte sie an einen leichten Sieg. Es kam jedoch anders, denn vor allem die äthiopische Luftwaffe war bestens ausgebildet und zeigte sich ihren somalischen Gegnern im Luftkampf in allen Belangen überlegen. Dies lag vor allem an westlicher Technik und amerikanischer Ausbildungsmethodik. Das bisher erste und wahrscheinlich auch letzte Aufeinandertreffen von F-5 Tiger II und MiG-21 endete daher für den legendären sowjetischen Kampfjet mit einer überraschend klaren Niederlage.


Wenige Dinge im Leben eines Kampfjetpiloten sind so ein- schneidend wie der Moment, wenn er seine Maschine in eine harte Wendung wirft, die Zelle an ihre strukturellen Grenzen bringt und trotzdem einen Verfolger nicht abzuschütteln vermag. Mit Schrecken sah der somalische Hauptmann, wie die F-5E hinter ihm immer näher kam. Als er die Unterseite der gegnerischen Maschine erkannte, war es zur Gewissheit geworden, dass ihn der andere nun in seinem Visier erfasst hatte. Den Kopf weit verdreht, um den Himmel oberhalb und hinter sich beobachten zu können, musste der Somali seiner Halswirbelsäule 5 G zumuten. Einen Moment lang überlegte er, ob ein schneller Richtungswechsel die Lage zu seinen Gunsten ändern würde, zog dann aber doch lieber seine Ausweichkurve weiter in die Länge. Nur kurz sah er die hellen Blitze an der Nase der F-5E, dann schlug etwa ein Dutzend 20-mm-Geschosse im Vorderteil seiner Maschine ein und zerstörte Cockpitabdeckung und Schleudersitz. Er hatte keine Überlebenschance. Auf diese Weise endete am 1. September 1977 das Ringen um die Luftvorherrschaft im so genannten Ogadenkrieg. Was genau im Verlauf dieses Konflikts in der Luft passierte, wird nach wie vor nicht nur in Kreisen renommierter Luftfahrtjournalisten kontrovers diskutiert. Auch die beteiligten MiG-21- und F-5-Piloten, die es eigentlich wissen müssten, liefern viele Ungereimtheiten ab. Dabei kam es zu einem Ereignis, welches erstaunlicher Weise keine höheren Wellen schlug: Dem einzigen Zusammenstoß von zwei heute legendären Abfangjägern, die weltweit an rund 70 verschiedene Luftwaffen verkauft wurden. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 haben es alle Politiker der Demokratischen Republik Somalia zu ihrer Pflicht erklärt, sämtliche legalen und friedlichen, aber auch »andere« Mittel einzusetzen, um die Einheit der ethnischen Somali-Völker innerhalb und außerhalb des Landes zu gewährleisten. Dabei ging es vor allem um die »Wiederangliederung« jener Gebiete in Äthiopien, Kenia und Dschibuti, welche mehrheitlich von Somalis bewohnt werden. Dieser Anspruch wurde sogar in die Verfassung des Landes aufgenommen und auf der Nationalflagge niedergelegt. Es ist daher kein Wunder, dass im Juli 1977, nachdem das tausendjährige äthiopische Reich zu bröckeln begann, der 1969 an die Macht gelangte somalische Präsident Mohamed Siad Barre (1910 oder 1919-1995) den historischen Augenblick gekommen sah, um den Anspruch auf ein Groß-Somalia zu verwirklichen. Obwohl sich 1974 unter der Führung von Major Mengistu Haile Mariam (*1937) eine Militärjunta (Derg) an die Macht geputscht hatte, blieb die Lage in Äthiopien in Folge blutiger Machtkämpfe chaotisch. Dazu kamen noch 14 Jahre Krieg gegen die abtrünnige Provinz Eritrea, der zu einer weiteren Spaltung innerhalb des Derg führte, denn es bestand keine Einigkeit darüber, ob mit Aufständischen zu verhandeln sei oder nicht. Die Somalis verfolgten diese Entwicklung sehr genau und bemerkten sehr wohl, dass die vormals mächtige äthiopische Armee nicht nur mit dem Krieg in Eritrea, sondern auch mit politischen Konflikten in Addis Abeba beschäftigt war.


Es bot sich scheinbar eine einzigartige Gelegenheit zum Losschlagen. Schon seit Jahren unterstützte die Regierung in der somalischen Hauptstadt Mogadischu den Aufstand der Westsomalischen Befreiungsfront (Western Somalia Liberation Front, WSLF) im Ogaden, einem Gebiet im Osten Äthiopiens, welches mehrheitlich von Somalis besiedelt war. Die WSLF hatte etwa 6000 Mann unter Waffen, deren meist sowjetische Ausrüstung aus Somalia stammte. Ab Mai 1977 traten noch 30 000 Kämpfer der Abo-Somalischen Befreiungsfront (Somalia-Abo Liberation Front, SALF) auf den Plan, die unter der Führung abkommandierter Offiziere und Unteroffiziere der somalischen Armee standen. Beide Gruppierungen – die WSLF wurde von Ogaden-Somalis, die SALF von Omoros dominiert – versuchten zunächst, die für den äthiopischen Außenhandel lebenswichtige Eisenbahnlinie von Addis Abeba nach Dschibuti zu unterbrechen. Anschließend verlegten sie den Schwerpunkt ihrer Operationen auf Nadelstichoperationen gegen die äthiopische Armee, um ihnen den Aufenthalt in Ogaden so ungemütlich wie möglich zu machen. Bis Juni 1977 kontrollierten WSLF und SALF bereits die meisten der ländlichen Gebiete des umstrittenen Territoriums. Im gleichen Monat traf der zentrale Ausschuss der WSLF mit der Regierung in Mogadischu zusammen Moyale an der kenianischen Grenze über Awash, etwa 160 km öst- lich von Addis Abeba, bis zur Grenze Dschibutis. Trotz der Verstärkung durch die SALF vermochte es die WSLF allerdings nicht, auch nur eine einzige Stadt in Ogaden einzunehmen. Daher sah sich die somalische Regierung zum unmittelbaren Eingreifen und damit zur Invasion Äthiopiens veranlasst. Der Angriff auf das Nachbarland stellte nicht nur eine Eskalation des Guerillakriegs dar. Vielmehr handelte es sich um eine seit fast 15 Jahren strategisch geplante und sorgfältig vorbereitete Militäroperation großen Ausmaßes. Die als Somali Aeronautical Corps (SAC) bezeichnete Luftwaffe Somalias wurde offiziell im Jahre 1961 gegründet, nachdem Italien mehrere Jahre Entwicklungshilfe geleistet hatte. Stark an der raschen Erweiterung ihres militärischen Potentials interessiert, verbündeten sich die Somalis daraufhin zunächst mit Ägypten und dem Irak sowie schließlich mit der Sowjetunion. Mit deren Hilfe erfuhr das SAC zwischen 1964 und 1974 einen ungehinderten Wachstumsschub. In dieser Phase wurden über 200 somalische Piloten und Angehörige des Bodenpersonal in der Sowjetunion ausgebildet. Bereits 1965 trafen die ersten von insgesamt 48 Kampfjets MiG-17 und vier MiG-15UTI, Trainer Jakowlew Jak-11 und Verbindungs- flugzeuge Antonow An-2 am Horn von Afrika ein. Bis 1967 folgten vier Frontbomber Iljuschin IL-28, drei Transporter An-24W, eine An-26B sowie vier Hubschrauber Mil Mi-4. Damit konnte das SAC zwei Kampf- und eine Transportstaffel aufstellen. Bis Ende der 1960er-Jahre wurden weitere 500 Somalis in der UdSSR zu Piloten und Technikern ausgebildet, während sich sowjetische Berater dem Ausbau der Flugplätze von Mogadischu, Hargheisa, Baidoa und Kismayo widmeten. Nach einem Besuch einer hohen sowjetischen Delegation im Jahr 1972 wurde schließlich der Bau eines großen neuen Flugplatzes mit Radarstation in Berbera beschlossen, um einerseits den Transportflugzeugen eine angemessene Basis zu bieten und um andererseits eine Leitstelle für sämtliche Flugbewegungen einzurichten. 1974 gehörten dem SAC zwar nur 1750 Offiziere und Soldaten an, welche jedoch auf zwölf Jahre intensive Ausbildung mit sowjetischer Hilfe zurückblicken konnten. Es lag damit sozusagen auf der Hand, dass Mogadischu und Moskau als nächsten Rüstungsschritt die Lieferung von 33 MiG-21MF und drei MiG-21UM vereinbarten. Die ersten Mach-2-Jets gelangten schon vor Ablauf des Jahres 1974 nach Somalia, zusammen mit einer Anzahl moderner Fla-Raketensysteme S-125 Newa (NATO-Codename SA-3 Goa) und radargelenkte Flakpanzer ZSU-23-4 Schilka...

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