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Kampfjets aus Schweden – Der Weg zur Gripen

(Heiko Thiesler) Schwedens Luftwaffe und Luftfahrtindustrie gingen ihren eigenen erfolgreichen Weg. Bis heute führte das zum Bau sehr innovativer und leistungsstarker Kampfjets. Aktuell markiert die JAS 39 Gripen einen weiteren Höhepunkt in Technologie und Kampfkraft. Auch deren Vorgänger waren einzigartig und in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus.


Das Unternehmen Svenska Aeroplan Aktiebolaget (SAAB) ist seit Jahrzehnten Hauptlieferant von Kampfflugzeugtechnik an die schwedischen Luftwaffe. Es gibt derzeit Geschäftskontakte und Dienstleistungen mit SAAB-Erzeugnissen in über 50 Ländern auf allen Kontinenten. Im Jahre 2009 wurden Verkäufe im Wert von über 24 Milliarden Schwedischen Kronen getätigt und zugleich standen Bestellungen von annähernd 18 Milliarden Schwedischen Kronen in den Auftragsbüchern von SAAB. Mit den Erfolgen sind gleichzeitig die kommenden Aufgaben klar definiert. Weitere Geschäftskontakte und die Erschließung von neuen Märkten sind die vorrangigen Ziele für die Zukunft, gepaart mit der konstanten Weiterentwicklung von neuen Technologien und die Anpassung an die Veränderungen am Weltmarkt. Dazu gehören ein transparenter Handel mit internationaler Kooperation und letztlich Kostenersparnisse bei Entwicklung, Bau, Verkauf, Nutzung und Wartung von Erzeugnissen wie modernen Kampfflugzeugen und den dazugehörigen Systemen. Ein wichtiger Faktor sind seit langem eine funktionierende Zusammen- und bewährte Öffentlichkeitsarbeit zwischen Hersteller und dem politischen System in Schweden. Das Land hat bereits über einen langen Zeitraum seine Neutralität demonstriert und einen hohen Grad von Unabhängigkeit bei der Beschaffung von Waffensystemen erreicht. So werden Eigenentwicklungen und -produkte auf diesem Sektor bevorzugt, die es immer wieder gilt, finanziell abzusichern. Gerade die Gripen als Schwedens jüngster Kampfjet hatte es zu Anfang nicht leicht, als das Bauprogramm seinerzeit nur mit einer knappen Mehrheit von 172 zu 167 Stimmen im schwedischen Reichstag gebilligt wurde. Und man kommt nicht völlig ohne ausländische Baugruppen aus, was beispielsweise die Wahl von Antrieb oder Luftkampfraketen erkennen lässt. Dennoch haben die schwedische Luftfahrtindustrie, die Luftfahrt allgemein und eben auch die Luftwaffe bemerkenswerte Leistungen vollbracht sowie international große Anerkennung gefunden. Wohl auch aus neutralitätspolitischen Gründen gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur ein verhaltenes Interesse an Luftfahrzeugen in Schweden, die militärische Bedeutung wurde, abgesehen von der Nutzung bemannter Beobachtungsballons, völlig verkannt. Baron Carl Cederström hatte im Jahre 1910 als erster Schwede das Fliegen, in Frankreich bei Louis Blériot, erlernt. Er gehörte nachfolgend zu denen, die versuchten, in ihrem Land das öffentliche Interesse am Fliegen zu wecken. Aus privater Spende stammte dann 1911 das erste Flugzeug der schwedischen Marine – ein Blériot-Eindecker. Ein Jahr später erhielten auch die Fliegerkräfte der Armee ihr erstes Fluggerät, eine Nieuport, wiederum ein französisches Produkt. Ebenfalls 1912 wurden die ersten Offiziere zur Flugausbildung nach Frankreich geschickt und formierten nach ihrer Rückkehr den Kern einer in Axwall beheimateten


Ausbildungseinheit. Die Beschaffung von Flugzeugen erfolgte immer noch sehr zögerlich. Schweden hielt sich aus dem Ersten Weltkrieg heraus. Zu dessen Beginn gab es lediglich acht Militärflugzeuge im ganzen Land. Da zu jener Zeit der Kauf von ausländischen Flugzeugen unmöglich war, begann man selbst kleine Fabriken zu errichten und Flugzeugmotoren sowie Flugzeuge als Nachbauten herzustellen. Neben Luftfahrtpionier Carl Cederström und seiner Nordisk Aviatik Aktiebolaget war es vor allem sein früherer Mitstreiter Dr. Enoch Thulin mit seiner Aeroplanfabrik, die französische Gnôme-Rhône-Motoren sowie Flugzeuge der Typen Farman F23, Albatros C.III oder Morane-Saulnier Parasol lieferte und zum Teil in Dänemark sowie den Niederlanden absetzte. Mit Beendigung des Ersten Weltkrieges sank die Nachfrage an militärischem Fluggerät und mit dem durch Flugunfälle verursachten Tod der beiden oben genannten Flugzeugbauer im Jahre 1919 wurde die Produktion erheblich eingeschränkt. Lediglich ein Werk in Malmslätt fertigte weiterhin serienmäßig einige Flugzeuge, des weiteren wurden im Ausland neue Maschinen erworben. Es ging darum, den durch den Ersten Weltkrieg verursachten Entwicklungsrückstand aufzuholen. Spätestens mit der Gründung der schwedischen Luftwaffe – Flygvapnet – als eigenständige Streitkraft am 1. Juli 1926 nahm auch der Bedarf an geeignetem Fluggerät wieder deutlich zu. Die Grundausstattung der neu gegründeten Luftwaffe bildeten mehr als 80 Flugzeuge. Inzwischen waren verschiedene Typen aus dem Ausland selektiert und in Schweden nachgebaut worden. Vornehmlich waren es Maschinen von Heinkel, Junkers, Nieuport oder auch Fiat, welche auch für ein gewisses Wirrwarr bei den schwedischen Fliegerkräften sorgten. In den 1930er-Jahren setzte ein merkbarer Aufschwung ein, die schwedische Luftwaffe bildete ihre ersten Geschwader (Flottilj) und erhöhte ihren Personalbestand. Zehn Jahre nach Gründung der Luftwaffe befanden sich knapp 260 Kampfflugzeuge im Bestand, die Personalstärke lag bei 5500 Mann. Bereits im Juni 1935 hatte die schwedische Regierung eine Reform beschlossen, die eine Erhöhung der operativen Staffeln und zugleich den Aufbau einer landeseigenen, leistungsfähigen Luftfahrtindustrie beinhaltete. Die politischen Entwicklungen in Europa waren dafür Mitauslöser. Es galt auch in Zukunft eine neutrale und unabhängige Politik auf zivilem und militärischem Sektor zu betreiben und nicht auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen zu sein. Im Jahre 1937 ging der Flugzeughersteller ASJA mit dem Rüstungskonzern Bofors zusammen und die Belegschaft wuchs dabei auf das mehr als das Dreifache an. Noch im gleichen Jahr wurde SAAB in Trollhättan gegründet und übernahm zwei Jahre später ASJA. Der Hauptsitz wechselte zum 200 km südlich von Stockholm gelegenen Linköping. Zum Teil entstanden hier gewaltige unterirdische Betriebsanlagen. Der Standort Trollhättan wurde 1938 mit einem neuen Werk ebenfalls ausgebaut. Hier erfolgte der Lizenzbau der Junkers Ju 86K. Erster Eigenbau sollte die SAAB 17 werden, ein zweisitziges Aufklärungsflugzeug von 1939, das mit Hilfe US-amerikanischer Ingenieure ursprünglich als Entwurf L 10 bei ASJA entstand. Konzeptionell angelehnt war das Muster an die Northrop A-17 beziehungsweise Douglas 8A-1, welche in Schweden nachgebaut und in der Luftwaffe als B 5 geflogen wurde. Als freitragender Mitteldecker von einem Sternmotor angetrieben, verfügte die SAAB 17 über ein stark verstrebtes, lang gezogenes Tandemcockpit für die Besatzung sowie ein dreiteiliges, einziehbares Fahrwerk in Heckradanordnung. Dessen mit großen Verkleidungen ausgerüstete Hauptbaugruppen wurden praktisch unter die Tragflächen geklappt und konnten ausgefahren im Flug als Sturzflugbremsen genutzt werden...

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