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MiG-21 in Schwarzafrika und Amerika

(Holger Müller) Zwischen Ende der 1950er- und Anfang der 1980er-Jahre wurden im südlichen Afrika die alten Kolonialmächte durch nationale Befreiungsbewegungen verdrängt. Die Sowjetunion und China waren zur Stelle, um die neuen Verbündeten mit Militärtechnik zu versorgen. In großer Stückzahl verfügbar und dank ihrer Robustheit für den Einsatz unter schwierigen Bedingungen prädestiniert, wurde die MiG-21 zum meistverbreiteten Kampfflugzeug der Region. In Lateinamerika stand Kuba im Brennpunkt der weltweiten Systemauseinandersetzung – zuerst als Schauplatz und dann als einer der eifrigsten Akteure. An vorderster Front flogen MiG-21 unter eigener und fremder Flagge. Dabei waren Kubas MiG-21 nicht die einzigen in Amerika. Ausgerechnet der große Gegner USA beschaffte das Muster über verschlungene Wege zur Konfrontation seiner Piloten mit dem potentiellen Gegner.



Drei Befreiungsbewegungen – Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA), Frente Nacional da Libertação de Angola (FNLA) und União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA)– stritten für die Unabhängigkeit Angolas von Portugal. 1975 erreichten sie ihr Ziel, gingen aber sofort dazu über, sich gegenseitig zu bekämpfen. Der Bürgerkrieg dauerte mit unterschiedlicher Intensität fast 30 Jahre an. Dabei wurde die UNITA von Südafrika und China unterstützt und die FNLA von der CIA finanziert, während die MPLA vor allem kubanische Militärhilfe erhielt. Nach dem – zeitweiligen – Rückzug von Südafrikanern und CIA gelang es der MPLA Anfang 1976, mit kubanischer Hilfe die Kontrolle über Luanda und den Nordosten Angolas zu erringen. Die UNITA zog sich in das zentrale Hochland zurück, während sich die FNLA im Nordwesten eine neue Operationsbasis schuf. Im Januar 1976 begann die MPLA-Regierung mit dem Aufbau der Força Aérea Popular de Angola/Difesa Anti-Aviôes (angolanischen Luftstreitkräfte/Luftverteidigung, FAPA-DAA). Hunderte junger Angolaner wurden zur Ausbildung in die UdSSR geschickt. Gleichzeitig kamen etwa 300 kubanische Instrukteure und Piloten ins Land. Letztere flogen die rund zwei Dutzend MiG-21MF, die von der UdSSR geliefert wurden. Im weiteren Kriegsverlauf vermochte die MPLA ihren Einflussbereich immer weiter auszudehnen. 1979 erreichten ihre Truppen die Grenze von Südwestafrika (heute Namibia), das damals unter südafrikanischer Verwaltung stand. Auf Druck ihrer Verbündeten stimmte die MPLA einer Stationierung von Truppen der südwestafrikanischen Befreiungsorganisation South West Africa People's Organisation, SWAPO) auf angolanischem Territorium zu, was ab 1980 wiederholte Interventionen Südafrikas auslöste. Bei zwei dieser Operationen – im Herbst 1980 und im Herbst 1981 – kam es zu Luftgefechten zwischen von Kubanern geflogenen MiG-21 der FAPA-DAA und südafrikanischen Mirage F.1CZ, die Begleitschutz für über Angola operierende Canberra-Aufklärer flogen. Dabei wurden zwei MiG-21 abgeschossen und eine dritte beschädigt, ohne dass die Kubaner auch nur einen Schuss abgaben. Ihren einzigen »Luftsieg« erzielten die angolanischen MiG-21 am 3. April 1986 gegen einen zivilen Hercules-Transporter im Dienst der eigenen Fluggesellschaft TAAG. Ob es sich dabei um ein Versehen oder einen vereitelten Fluchtversuch handelte, bedarf noch der Klärung. Mit der Rückkehr der in der UdSSR ausgebildeten Angolaner ab 1981 begann der massive Ausbau der FAPA-DAA, wobei die von Kubanern geflogenen MiG-21MF zunächst durch über 50 MiG-21PFM ergänzt wurden. 1985/86 trafen etwa 60 MiG-21bis und ein Dutzend MiG-21UM ein, womit zwei Regimenter zu je zwei (großen) Staffeln sowie eine Staffel eines Ausbildungsregiments ausgerüstet wurden. Die Maschinen flogen intensive Kampfeinsätze in zahlreichen Offensiven gegen die FNLA und vor allem aber die UNITA, wobei sie einige der modernsten Waffen sowjetischer Bauart einsetzten. Stationierungsorte der angolanischen MiG-21 waren Cuito, Luanda, Luena, Menongue und Moçamedes. Der Krieg kulminierte 1987, als Südafrika mit massiven Militärschlägen auf eine Großoffensive der Angolaner gegen die UNITA reagierte.


Dank dieser Unterstützung konnte die UNITA die strategisch wichtige Stadt Cuito Cuanavale im Südosten Angolas mitsamt der dortigen Garnison einschließen. Während der monatelangen Kämpfe wurden die MiG-21 ausschließlich als Jagdbomber verwendet, begleitet von durch Kubaner geflogene MiG-23ML. Gemessen an der Zahl der Kampfeinsätze waren die Verluste – sowohl durch die Luftabwehr der Rebellen und des südafrikanischen Expeditionskorps, als auch durch Artilleriehinterhalte und Unfälle im Flugbetrieb – relativ niedrig. Allerdings wurden die Angolaner vor allem durch den Einsatz von Einmann-Fla-Raketen FIM-92A Stinger zu Operationen aus mittlerer Höhe gezwungen, was die Präzision ihrer Angriffe erheblich verringerte. Trotzdem konnten die Angolaner während der monatelangen Kämpfe – mit umfangreicher Hilfe der Kubaner – eine begrenzte Luftherrschaft erringen, was dazu führte, dass die südafrikanische Luftwaffe nur noch bei Nacht und im Tiefstflug über dem Schlachtfeld operierte. Ein im August 1988 zwischen Angola, Südafrika und Kuba vereinbarter Waffenstillstand sowie das »Londoner Treffen« zwischen den USA, der Sowjetunion und Portugal 1990 beendeten die Einflussnahme von außen und wandelten den Konflikt in eine innere Angelegenheit Angolas um. Kubanische und sowjetische Berater verließen das Land. Unter Aufsicht der UNO begannen MPLA und UNITA Verhandlungen, die zu demokratischen Wahlen 1994 führten. Die Resultate der Wahl wurden allerdings von den Rebellen nicht anerkannt. Vielmehr begann die UNITA mit einer Großoffensive, bei der sie zeitweise bis zu 70 Prozent des Landes unter ihre Kontrolle brachte. Bei der Bekämpfung der Aufständischen setzte die FAPA-DAA jetzt vor allem MiG-23 und verschiedene Suchoj-Typen ein, die verglichen mit der MiG-21 über höhere Zuladungen und Reichweiten verfügten. Lediglich rund 20 MiG-21 einer Staffel blieben im Bestand und dienten zu Ausbildungszwecken, während zahlreiche weitere Maschinen ausgeschlachtet wurden, um nach dem Ausbleiben der sowjetischen und kubanischen Lieferungen die Ersatzteilversorgung sicherzustellen. Nach dem Tod des UNITA-Führers Jonas Savimbi wurde im April 2002 ein Waffenstillstand geschlossen und damit der Bürgerkrieg faktisch beendet. Die wenigen MiG-21, welche die lange Kriegsdauer mehr oder weniger unbeschadet überstanden hatten, fliegen allerdings schon seit einigen Jahren nicht mehr. Während der Herrschaft des Kaisers Haile Selassie waren die USA Hauptlieferant der äthiopischen Luftwaffe. Nach dem Sturz des Kaisers und der anschließenden Machtübernahme durch das Koordinationskommitee der Streitkräfte, Polizei und Territorialarmee (Derg) unter Führung von Mengistu Haile Mariam verkündeten die USA ein Embargo. Nach dem Einmarsch somalischer Truppen in die äthiopische Provinz Ogaden wandte sich Äthiopien deshalb im Juli 1977 mit der Bitte um militärischen Beistand an die UdSSR. Dieser wurde zunächst verweigert. Statt dessen sprang Kuba in die Bresche und half mit Menschen und Material. Erst der Bruch zwischen der Sowjetunion und dem somalischen Machthaber Siad Barre...

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