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MiG-21 im Einsatz in Süd- und Südostasien

(Holger Müller) Kein anderes Flugzeug hat die militärische Luftfahrt zu Zeiten des Kalten Kriegs stärker geprägt als die MiG-21. Die Stückzahl und ihre Verbreitung in mehr als 50 Luftwaffen kennzeichnen die herausragende Bedeutung dieses Flugzeugs. Noch immer sind viele Luftwaffen in Asien mit diesem Muster und ihrem chinesischen Ableger J-7/F-7 ausgerüstet.



1962 und damit zur gleichen Zeit wie in Mittel- und Osteuropa begann der Einsatz der MiG-21 in Asien, wo sich zahlreiche Staaten nach der Erlangung ihrer Unabhängigkeit der Sowjetunion zuwandten. Unter den Waffensystemen, die der neue Verbündete lieferte, befanden sich stets auch MiG-21. Indien und die Volksrepublik China bauten mit sowjetischer Hilfe ihre eigene MiG-21-Fertigung auf. China wurde mit seiner eigenständigen Produktlinie J-7/F-7 zum Lieferanten zahlreicher Staaten, denen die Supermächte USA und UdSSR Rüstungsgüter verweigerten. Die seit mehr als 40 Jahren laufende chinesische Produktion machte die MiG-21 zum am längsten gebauten Kampfflugzeug aller Zeiten. Indien legte mit russischem Know-how das weltweit umfangreichste Modernisierungsprogramm für dieses Muster auf. Heute befinden sich in Süd- und Südostasien noch rund 1000 MiG-21 bzw. J-7/F-7 im Einsatz. Die Chancen für ein 60. Dienstjubiläum stehen gut.

Afghanistan bezog seine Militärtechnik seit der Erneuerung des sowjetisch-afghanischen Nichtangriffsvertrages im Jahre 1955 im wesentlichen aus der Sowjetunion und erhielt die ersten MiG-21 im Jahre 1974. Zum Zeitpunkt der Machtübernahme prosowjetischer Kräfte unter Führung von Babrak Karmal im Jahre 1978 befanden sich knapp 30 MiG-21 der Versionen PFM (ASCC-Code FISHBED F) und U (MONGOL A) im Bestand der afghanischen Luftstreitkräfte (Afghan Hanai Qurah). Nach der sowjetischen Invasion 1979 wurden die Waffenlieferungen verstärkt. Die Afghanen erhielten MiG-21bis (FISHBED L/N) und Doppelsitzer UM (MONGOL B). Auch auf sowjetischer Seite wurde die MiG-21 intensiv eingesetzt. MiG-21bis agierten in der Jagdrolle (z. B. zur Deckung von Transport- und Aufklärungsflügen) und als Jagdbomber. MiG-21R (FISHBED H) flogen taktische Aufklärungsmissionen. Die MiG-21-Flotte erreichte dabei eine Stärke von bis zu 80 Maschinen. Stationierungsorte waren Bagram, Djalalabad, Herat, Kandahar und Mazar-e-Scharif. Während die Mudschaheddin zu dieser Zeit noch über keine Fliegerkräfte verfügten und deshalb die Gefahren für sowjetische und afghanische Kampfflugzeuge im Landesinnern nur vom Boden ausgingen, kam es ab Anfang der 1980er-Jahre immer häufiger zu Luftgefechten mit pakistanischen Maschinen. Dabei zeigten sich die Pakistanis den sowjetischen Piloten mindestens ebenbürtig, den afghanischen deutlich überlegen. Zwei afghanische MiG-21 sollen im Frühjahr 1986 von pakistanischen Mirage abgeschossen worden sein. Weitere Verluste gab es durch die Fahnenflucht afghanischer Piloten mit ihren Maschinen. Wahrscheinlich vier MiG-21 sind so nach Pakistan gelangt, eine davon steht heute im pakistanischen Luftwaffenmuseum. Der Abzug der sowjetischen Truppen 1989 war der Anfang vom Ende der prosowjetischen Regierung von Präsident Nadschibullah. Im April 1992 wurde das Regime von den Mudschaheddin unter ihren Führern Massoud und Dostum gestürzt und der Islamische Staat Afghanistan ausgerufen. Die neue Regierung von Präsident Rabbani sicherte sich den größten Teil des Inventars der afghanischen Luftstreitkräfte, darunter auch rund 80 MiG-21bis und MiG-21UM. Wegen fehlender Ersatzteile war ein großer Teil dieser Maschinen allerdings nicht einsatzfähig. Bereits kurze Zeit nach der Staatsgründung entflammte ein neuer Bürgerkrieg zwischen der Zentralmacht und lokalen Machthabern, die jeweils anderen Volksgruppen angehörten. Prominenteste Gegner der Regierung waren der Paschtunenführer Hekmatjar und der Usbeken-General Dostum, der die Seiten gewechselt hatte und dies noch öfters tun sollte. Letzterer verfügte über eine größere Zahl von MiG-21, die damit auf beiden Seiten eingesetzt wurden.


Die Hauptaufgabe dieser Maschinen bestand in Luft-Boden-Einsätzen. Es gab aber auch vereinzelte Luftkämpfe. So schossen im Jahre 1994 MiG-21 der afghanischen Regierung je eine Su-22 und MiG-21 Dostums ab. Weitere MiG-21 der Dostum-Miliz fielen einer Su-22 der Regierung sowie der Luftabwehr zum Opfer. Im Spätsommer 1994 erschienen erstmals die radikal-islamischen Taliban auf dem afghanischen Kriegsschauplatz. Von der pakistanischen Grenze kommend, eroberten sie zuerst Kandahar, wo sie auch einige MiG-21 erbeuteten, die – mit pakistanischer Unterstützung – instand gesetzt und zum Einsatz gebracht wurden. Bereits im März 1995 erreichten die Taliban Kabul, wo die Regierungstruppen erbitterten Widerstand leisteten. Parallel dazu nahmen die Taliban große Teile des Landes ein, darunter die Flugplätze von Herat und Shindand. Dort gelangten sie in den Besitz weiterer Kampfflugzeuge, u.a. MiG-21, von denen wiederum einige flugfähig gemacht wurden. Im Juni 1995 vernichteten MiG-21 der Taliban zwei Hubschrauber der Truppen von Massoud, im August zwangen sie eine russische IL-76 zur Landung in Kandahar. Die MiG-21-Flotte der Taliban erlitt während der Kampfhandlungen schwere Verluste, verursacht vor allem durch Einmann-Fla-Raketen. 1995 gingen auf diese Weise mindestens sechs Maschinen verloren. Im September 1996 überrannten die Taliban Kabul und eroberten den nahegelegenen Flugplatz Bagram. Dort fielen ihnen sämtliche MiG-21 und Su-22 in die Hände, die der Gegenseite noch verblieben waren. Allerdings soll es den Regierungstruppen gelungen sein, den Großteil dieser Flugzeuge vor dem Abzug zu zerstören. Nach anderen Quellen sind die Flugzeuge von den Taliban selbst zerstört worden, bevor Bagram 1998 von den Truppen Massouds zurückerobert wurde. Die geschlagenen Einheiten zogen sich ins Panschir-Tal zurück, wo sie sich als Nordallianz im Bündnis mit lokalen Stammesfürsten gegen die Übermacht der Taliban halten konnten. Noch 1998 schätzten westliche Experten, dass die Taliban-Regierung über 50 MiG-21bis sowie zehn MiG-21UM und die Opposition über 35 MiG-21bis verfügten. In jenem Jahr gelang es den Taliban schließlich, General Dostums Basis Mazar-e-Scharif mit den dort stationierten Flugzeugen – darunter die erwähnten MiG-21 – einzunehmen. Damit hatten die Taliban nicht nur den größten Teil des Landes, sondern auch sämtliche in Afghanistan vorhandene Kampfflugzeuge unter ihrer Kontrolle. Der Nordallianz waren zu diesem Zeitpunkt nur noch einige Hubschrauber verblieben. Die Taliban nutzten ihre alleinige Präsenz am Himmel, um ihre Truppen bei den weiteren Kampfhandlungen aus der Luft zu unterstützen. Die Zahl der eingesetzten Maschinen wurde aber durch das Fehlen von Piloten limitiert. Auch fielen immer wieder Flugzeuge der Luftabwehr zum Opfer, so allein 2000 acht MiG-21 und Su-22. Bei einer Explosion in einem Munitionslager am Kabuler Flughafen im Februar des gleichen Jahres sind weitere vier MiG-21 zerstört worden. Zuletzt soll das Arsenal der Taliban noch sechs bis acht einsatzbereite MiG-21 und ein gutes Dutzend nicht flugfähige Maschinen umfasst haben. Einige wenige MiG-21 haben die amerikanischen Luftangriffe bei »Enduring Freedom« im Herbst 2001 als auch die folgenden Kampfhandlungen am Boden überlebt. Eine dieser Maschinen, die im März 2002 wieder nach Bagram überführt wurde, stürzte einen Monat später beim Training für die Feiern zum 10. Jahrestag des Sturzes der kommunistischen Regierung ab. Seitdem ist keine afghanische MiG-21 mehr geflogen...

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