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Winter in Bulgarien

(Dr. Peter Korrel) In Bulgarien wird der deutsche Ingenieur Hermann Winter als Begründer des bulgarischen Flugzeugbaus verehrt. Hierzulande ist sein Wirken so gut wie unbekannt, was Anlass zu einer kleinen Nachbetrachtung ist. Jüngst zugänglich gewordene private Aufzeichnungen erlauben es erstmals, sich mit seinem Wirken näher zu befassen.



Hermann Winter wurde am 30. August 1897 in Neukloster im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin geboren. Nach der an der Realschule in Wismar abgelegten Prüfung der Mittleren Reife begann er am 1. April 1914 ein Volontariat bei der Schlosswerft R. Holtz in Harburg, das er am 31. Juli 1914 beendete. Am 28. August 1914 trat er als Kriegsfreiwilliger in das Großherzoglich Mecklenburgische Füsilier-Regiment Nr. 90 in Rostock ein und kam im November 1914 mit der 11. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments 210 an die Flandern-Front. Nach schweren Verwundungen war er beim Ersatzbataillon des Füsilier-Regiments Königin »Viktoria von Schweden « Nr. 34 in Krackow bei Stettin mit der Rekrutenausbildung befasst und wechselte auf eigenen Wunsch am 20. Dezember 1917 zur preußischen Flieger-Ersatzabteilung 2 in Schneidemühl. Eine der Flieger-Ersatzabteilung 2 angeschlossenen Militär-Fliegerschulen lag in Köslin und gehörte zur Luftverkehrsgesellschaft mbH (L.V.G.). Dorthin wurde Hermann Winter abkommandiert, um die ersten fünf von 17 Bedingungen seiner Ausbildung abzulegen. Am 24. Februar 1918 traf die Gruppe in Köslin ein. Die weitere Tätigkeit Winters ist leider nicht dokumentiert. Fest steht nur, dass er Anfang November 1918 als ausgebildeter Flugzeugführer und Vizefeldwebel zum Armeeflugpark 6 nach Nivelles versetzt wurde, doch da war der Krieg im Westen bereits zu Ende. Sein außergewöhnlich langer Aufenthalt an heimatlichen Fliegerschulen – üblich waren vier bis sechs Monate – könnte eventuell darauf zurückzuführen sein, dass er an einer Beobachterschule als Flugzeugführer eingesetzt war. Dazu notierte Winter: »Ich hatte mich zu den Jagdfliegerverbänden gemeldet und wurde hier mit den Jagdflugzeugen vertraut. Als ersten Jäger flog ich mehrfach den Albatros D.III. Von den Flugleistungen und Eigenschaften war ich als Pilot sofort begeistert. Noch vom 8. November 1918 lautete mein Flugzeugführer-Ausweis und wenig später überrollte uns die Revolution, in verfolg derer wir den Rückmarsch antreten mussten. Schon in Köln gelegentlich eines kurzen Aufenthalts vor dem Bahnhof wurden uns von einer Patrouille mit roten Armbinden die Waffen abgenommen. Das war die erste kalte Abreibung. Aufgrund eines Befehls vom Armeeflugpark 6 musste ich mich bei der Fliegerersatz-Abteilung 2 in Schneidemühl melden. Das war noch ein langer Weg von Köln aus. Hier sollten wir demobilisiert, d.h. nach Hause entlassen werden.« Es kam anders. Die Bedrohung der östlichen Landesgrenzen rief die jungen Jahrgänge wieder zu den Waffen. »Wir faßten den Plan, unsere vorhandenen Flugzeuge durch neue zu ergänzen. Die Wahl fiel dabei auf die LVG C.VI, die in Leipzig-Lindenthal gebaut wurde (Lizenzbau bei DFW., d. Verf.). Ein erster Versuch schlug fehl. Der dortige Arbeiter- und Soldatenrat gab die Flugzeuge nicht frei ... In Schneidemühl wurde später aus neuen LVG C.VI eine Kurland-Staffel zusammengestellt unter Bevorzugung alter erfahrener Piloten. Ich hatte während des Dezember lediglich einen Delegiertenflug nach Bromberg und einen Waffen- und Munitionstransport zum Flugplatz Posen durchzuführen. Südlich war die Netze die Grenze zum polnisch beherrschten Teil. Als es hier unruhig wurde, entschloß sich der verantwortliche Kommandeur durch Truppenverstärkungen abzusichern. In diesem Befehlsbereich wurde ich als Zugführer auf einem Vorposten bei Zarnikau eingesetzt. Zu größeren Kämpfen kam es in diesem Abschnitt nicht. Im ersten Drittel des Monats Februar wurde jedoch ein Angriff vorgetragen mit dem Ziel, das Dorf Komannshof in die Hand zu bekommen. Bei diesem Unternehmen erhielt ich eine schwere Schußverletzung am rechten Oberarm, an dem der Knochen zerschlagen wurde ... Ich ließ mich dann alsbald an die Universitätsklinik Rostock verlegen, wo man durch ein Röntgenbild die starke Zersplitterung des Oberarms feststellte und sofort zu einer Operation schritt, um die zahlreichen Knochensplitter zu entfernen ... Nach der guten Heilung ... ließ ich mich in das Garnisonslazarett meiner Schulstadt Wismar verlegen .... Prof. Dr. Weber, der Operateur der Rostocker Klinik, hatte mir mitgeteilt, daß zur Wiederherstellung des rechten Oberarms frühestens nach einem Jahr eine Operation zur Knochenplastik o.ä. durchgeführt werden müsste ... Für mein weiteres Leben musste ich den Oberarm hinsichtlich seiner vollen Verwendungsfähigkeit als unbekannte Größe einplanen. Inzwischen freundete ich mich immer mehr mit einem neuen Lieblingsgedanken an, an einer Hochschule Ingenieurwissenschaften zu studieren und dabei die Luftfahrt als Neuland in den Vordergrund zu stellen. Meinen Gedanken, Marineingenieur zu werden, hatte ich mit diesen neuen Vorstellungen begraben ... Im Lazarett in Wismar bereitete ich mich durch ein Langenscheidt-Selbststudium auf das Abitur vor.


Im Jahre 1918 lief das flugpraktische Ausbildungsprogramm bei den deutschen Luftstreitkräften nach folgendem Muster ab: Nach einer Schulung am Doppelsteuer mit Fluglehrer erfolgten bei einer angemessenen Zahl von Schulflügen die ersten Alleinflüge. Dann setzte die planmäßige Ausbildung zum Flugschüler mit 2. Prüfung (früher: Feldpilot) ein, die in zahlreichen Bedingungs- und Prüfungsflügen erschult und erflogen werden musste. Für diese frühen Teile ihrer Ausbildung wurden die Flugschüler häufig an werkseigene Fliegerschulen von Luftfahrtunternehmen kommandiert, die während des Kriegs dem Kriegsministerium unterstellt und als Militär- Fliegerschulen bezeichnet wurden. - Die Bedingungs- und Prüfungsflüge für die 3. Prüfung erfolgten dann im Regelfall entweder wieder bei den Flieger- Ersatz-Abteilungen selbst oder bei den Armeeflugparks an der Front. Mit Rücksicht auf seine schwere Verwundung und wegen seiner vor dem Militärdienst gezeigten guten schulischen Leistunge erhielt Winter aber am 24. Juni 1919 das Reifezeugnis ohne Prüfung ausgehändigt. Die Behinderung des rechten Arms konnten die Ärzte im Verlaufe der nächsten Jahre nicht mildern. Hermann Winter musste mit dieser Einschränkung leben. Im Februar 1920 begann er das Maschinenbau-Studium an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Am 7. Mai 1921 gründete er zusammen mit gleichgesinnten Kommilitonen die Akademische Fliegergruppe an der TH Berlin. Er konstruierte und baute zusammen mit seinem Freund Edmund Pfister - der zwischen 1927 und 1931 durch seine Veröffentlichungen und als Herausgeber der Reihe »Flugzeugbau und Luftfahrt« im Auftrage des Deutschen Luftfahrtverbandes sehr bekannt wurde – das erste Segelflugzeug dieser studentischen Vereinigung, die »Charlotte«, mit der die Gruppe sich an Rhön-Wettbewerben beteiligte...

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