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Drachenflügel – Die chinesische Militärluftfahrt (Teil 1)

(Andreas Rupprecht) Die chinesische Kulturgeschichte ist eine der Quellen der menschlichen Zivilisationen. Heute ist die Volksrepublik China eine politische und ökonomische Großmacht mit einer der nominell stärksten Luftwaffen der Welt. Luftfahrthistorisch ist China jedoch immer noch ein weißer Fleck. In den letzten Jahren ist allerdings sehr viel neues Material zugänglich geworden, das nun erstmals einen differenzierten Blick hinter die „Große Mauer“ gestattet. Teil 1 beschreibt das Entstehen einer auf Lizenzfertigung, illegalen Nachbauten und teilweise überraschenden Eigenentwürfen basierenden chinesischen Militärluftfahrt.



Die Neuzeit Chinas begann mit der Xinhai-Revolution 1911. Nach über 400 Jahren wurde mit der Qing-Dynastie die Kaiserherrschaft beendet. Doch war die bürgerliche Goumindang unter Führung Sun Yat Sens nicht stark genug, um gegen die örtlichen Warlords eine funktionierende Zentralregierung zu schaffen. Erst Mitte der 1920er-Jahre, als sich Sun Yat Sen mit der neu entstandenen Kommunistischen Partei verbündete, gewann die Zentralregierung an Macht. Nach dem Tode Sun Yat Sens übernahm dessen Schwager Chiang Kai Tschek die Führung der Guomingdang. Als entschiedener Antikommunist begann er die Kommunisten und ihre Sympatisanten entschieden zu bekämpfen. In mehreren Massakern fielen dem vor allem in den Städten Tausende Menschen zum Opfer. Die KPCh bildete eigene bewaffnete Formationen. Dazu kamen neue Parteiführer, unter ihnen Mao Ze Dong. Am 1. August 1927 führte der militärische Arm der KPCh unter der Führung von Zhou Enlai und Zhu De eine erste Operation durch und besetzte die Stadt Nanchang. Seither gilt der 1. August 1927 als Gründungstag der chinesischen Roten Armee/Volksbefreiungsarmee. Auch nach dem Einmarsch der Japaner bekriegten sich Kommunisten und Chiang Kai Tscheks Guomindang – trotz zeitlich begrenzter gemeinsamer Aktionen gegen die Japaner zwischen 1936 und 1941 – unvermindert weiter. 1948/49 konnten die Truppen der Guomindang entscheidend geschlagen werden. In der Folge flohen viele Guomindang-Militärs und Zivilisten auf die Insel Taiwan. Dort wurde am 1. Oktober die Republik China ausgerufen. Am gleichen Tag proklamierte sich in Beijing die Volksrepublik China, die seitdem Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet.

Sowjetische Aufbauhilfe

Im März 1950 beschloss das neu gegründete Ministerium für Schwerindustrie den Aufbau einer modernen nationalen Luftfahrtindustrie, was zu diesem Zeitpunkt eine äußerst kühne Zielsetzung war. Der Bürgerkrieg war zwar beendet, doch war die Folgezeit zunächst vom Wiederaufbau der Infrastruktur und der Wirtschaft geprägt. Aber der Wiederaufbau erfolgte selten nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Politische Leitlinien bestimmten alle Bereiche des Lebens. Fehlentscheidungen, häufiges Revidieren und Umformulieren von Vorgaben, eine übertriebene Bürokratie sowie politische Machtkämpfe verhinderten oder verzögerten den Aufbau einer effizienten Wirtschaft und damit auch einer funktionierenden und konkurrenzfähigen Luftfahrtindustrie. Die Folgen dieser Epoche waren noch sehr lange zu spüren. Schon am 23. April 1949 wurde die Marine als Teilstreitkraft – unterteilt in Beihai (Nordflotte), Donghai (Ostflotte) und Nanhai (Südostflotte), mit eigenen Flugzeugen gegründet. Erst am 11. November 1949 formierte sich dann die „Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee“ – verteilt mit je einem Kommando innerhalb der sieben Militärregionen Shenyang, Beijing, Lanzhou, Jinan, Nanjing, Guangzhou und Chengdu. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass beide fliegerischen Teilstreitkäfte bis weit in die 1980er-Jahren nie als eigentliche „Luftwaffe“ verstanden wurden, sondern nur Teile der regulären Volksbefreiungsarmee darstellten, die vor allem im Zusammenwirken mit den Bodentruppen bzw. den Schiffen und Booten agieren sollten. Der wirtschaftlichen Situation nach war die Volksrepublik China nach ihrer Gründung ein Agrarland und industriell unterentwickelt. Ein vorrangiges Interesse bestand an ausländischer Hilfe, allem voran aus der eng verbündeten Sowjetunion. Erschwerend kam hinzu, dass das Land unmittelbar nach der Unabhängigkeit in eine außenpolitische Krise geriet und 1951 aktiv in den Korea-Krieg eingriff. Der Abschluss eines entsprechenden Kooperationsabkommens zwischen der Volksrepublik China und der Sowjetunion im Oktober 1951 wie auch die mehr als 1000 gelieferten MiG-15 und einiger IL-28 bildeten die Basis der im Wiederaufbau begriffenen chinesischen Luftstreitkräfte und schuf das Fundament für eine enge luftfahrttechnische Kooperation zwischen beiden kommunistischen Staaten in den 50er- und 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts.

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