Ausgabe:



Bestellen
Titelthema
Die "Persischen Kater": F-14 Tomcat im Irak-Krieg


1976 lieferten die USA 79 Kampfflugzeuge vom Typ F-14A Tomcat an Iran. Als nur drei Jahre später eine Islamische Republik ausgerufen wurde, befanden sich die damals hochmodernen Abfangjäger plötzlich auf der anderen Seite der politischen Front. Entgegen aller westlichen Behauptungen stehen die „Persischen Katzen“ noch immer im Dienst der iranischen Luftwaffe und haben im Krieg gegen den Irak ihre Leistungsfähigkeit überzeugend nachgewiesen. “Hauptmann, was halten Sie von unserem neuesten Abfangjäger?“ Kaum fünf Minuten nachdem ich die erste Gelegenheit bekam, in eine mit der Flagge meinen geliebten Heimatlandes markierte Grumman F-14A Tomcat zu klettern, tauchte plötzlich Schah Ahmad Reza Pakhlavi zusammen mit dem Befehlshaber der iranischen Luftwaffe auf. Ich erklärte, dass ich mir keinen besseren Abfangjäger zur Landesverteidigung vorstellen könne. Der Schah lächelte und erwiderte: „Es gibt auch weltweit keinen besseren Abfangjäger, und das ist genau der Grund, warum wir ihn gekauft haben. Aber ich muss eine große Last auf Ihre und die Schultern Ihrer Kameraden legen: Lernen Sie alles über die Tomcat und lernen Sie es schnell! Die F-14 werden immer nur so gut sein wie die Piloten, die sie fliegen!“ So schilderte der damalige Hauptmann und spätere Oberst Javad seine erste Begegnung mit dem neuen Kampfflugzeug. Obwohl dies heute paradox anmuten mag, war Iran in den 60er- und 70er-Jahren einer der engsten Verbündeten der USA. Als die iranische Luftwaffe Anfang der 70er-Jahre auf die Suche nach einem Abfangjäger ging, konnte sie sich daher das Beste aus dem US-Arsenal aussuchen. Die Iraner hatten allerdings besondere Wünsche. Der ehemalige Pilot Hauptmann Rassi erinnert sich: „Die Luftwaffe verfasste eine Studie mit dem Titel „Verstärkung der Radarstationen“. Darin fehlte allerdings ein Lösungsvorschlag. Das bergige Terrain Irans, welches uns daran hinderte, unseren Luftraum selbst mit einem gut ausgebauten Netz an Radarstationen abzudecken, erwies sich als problematisch. Schließlich erkannten wir, dass fliegende Radarstationen nötig waren, die sich auch noch selbst verteidigen konnten. Also wurde nach leistungsfähigen Abfangjägern und Frühwarnflugzeugen Ausschau gehalten. 1972 erfuhren wir von den beiden Neuentwicklungen in den USA: der McDonnel Douglas F-15A Eagle und der F-14A. Bewaffnet mit Luft-Luft-Raketen AIM-7 Sparrow brachte die Eagle ein tödliches Mix in die Luft, schien aber bei weitem nicht so kampfstark wie die mit Raketen AIM-54 Phoenix und dem Pulse-Doppler-Radar AWG-9 bestückte Tomcat zu sein. Dieses Radar ermöglichte die gleichzeitige Erfassung von 24 Zielen, von denen sechs sofort beschossen werden konnten. Auch ließen sich die AIM-7 und die AIM-9 Sidewinder aus größerer Entfernung verschießen als von der F-15.“


Und auch der ehemalige iranische F-14-Pilot Major Farhad ist der Überzeugung, dass die F-14 die bessere Wahl darstellte: „Beide Typen bieten aus ihren geräumigen Cockpits ausgezeichnete Sicht, besitzen starke Triebwerke und ausgezeichnete Manövrierfähigkeiten. Beide ermöglichten eine präzise Zielerfassung und -verfolgung und weisen praktisch keine Limits in verschiedenen Flugregimes auf. Insbesondere die Tomcat war sehr einfach zu steuern und ermöglichte Manöver, die ich bisher nicht für möglich gehalten hatte. Nach kaum 100 Flugstunden war ich in der Lage, die Nase meiner F-14 bis zu 75 Grad hochzunehmen und dann 100-Grad-Drehungen einzuleiten, um das Ziel mit einer Sidewinder oder der Kanone M-61A-1 Vulcan zu beschießen... Die Kurvenfähigkeit der F-14 war damals unübertroffen.“ Von der F-14 überzeugt bestellte der Iran 1974 insgesamt zwei Serien von insgesamt 80 Maschinen sowie 714 Luft-Luft-Raketen AIM-54 Phoenix. Zusammen mit weiteren Waffen, Ersatzteilen für sechs Jahre Vollbetrieb und Bodenausrüstung inklusive kompletter Werkstätten sowie der Ausbildung von Flug- und Bordpersonal erreichte das „Projekt Persischer König“ einen Wertumfang von zwei Milliarden US-Dollar. Das war die bis dahin größte Einzelbestellung, die an eine US-Firma vergeben wurde. Bemerkenswert ist vor allem, dass nur wenige Monate nach Auslösung der Bestellung der US-Kongress die Finanzierung des F-14-Projekts einstellte, wodurch der Grumman Corporation der Konkurs drohte. Die iranische Bank Meli reichte daraufhin an Grumman einen Kredit von 250 Millionen US-Dollar aus, um die Fertigstellung der für Iran bestellten Tomcats zu ermöglichen. Dadurch ermutigt sprangen auch andere amerikanische Investoren ein, wodurch Grumman und das Gesamtprojekt F-14 gerettet wurden. Es klingt heute wie ein Treppenwitz der Geschichte, aber ohne das finanzielle Engagement Irans hätte auch die U.S. Navy nicht die heute bereits zum Kult gewordene F-14 erhalten!
So begann eine der wohl ungewöhnlichsten Geschichten in der modernen Militärfliegerei, die über die Zeit zum Gegenstand wilder Spekulationen und diverser Kontroversen wurde. Denn die wirkliche Geschichte und die tatsächlichen Leistungen der F-14 im Dienst der iranischen Luftwaffe sind der Öffentlichkeit bis heute weitgehend vorenthalten worden. Hinzu kommt, dass wegen möglicher Repressalien viele inzwischen im Ausland lebende iranischen Piloten und Offiziere den Schritt in die Öffentlichkeit scheuen, ganz zu schweigen von jenen, die noch im aktiven Dienst stehen.


Weiterlesen?
Mehr Informationen finden Sie im Heft:
Bestellen

Die fünf aktuellsten News
>> weitere aktuelle News


Die fünf aktuellsten Termine
03.09.10: AIR MAGDEBURG



Die fünf neuesten Links zur Welt des Fliegens
Seite erstellt am: 03.09.10 17:01:53


© 1996-2010, FLiEGERREVUE, Möller Buch und Zeitschriften Verlag GmbH, Berlin, Germany - Schreiben Sie uns Ihre Meinung an folgende E-Mail-Adresse:redaktion@fliegerrevue.de
Webdesign by crossmedia gmbh, Sven Jorgas - FLiEGERREVUE-Online wird produziert mit: ONE2Publish
Wir sind Mitglied des Webringes Luftfahrt  Für eine Aufnahme in den Webring klicken Sie hier

FLiEGERREVUE - Das Magazin für Luft- und Raumfahrt erscheint seit 1953 in Berlin. Monatlich werden Daten, Fakten und Hintergründe geboten: Zivil, Militär, Raumfahrt, Geschichte und Modellbau u.v.m. Branche Produkt, Forschung Technik, Medien, Sport, Wirtschaft, Anleitung, Anzeige Kleinanzeige, Bericht Reportage, Bild Foto, Zeitung, Zeitschrift Sven Jorgas, crossmedia gmbh, möller Buch und Zeitschriften Verlag GmbH, Magazin, Heft, Zeitschrift, Luftfahrt, Raumfahrt, Flieger, fliegen, Flugzeug, Sport, UL, Hubschrauber, Gebrauchtflugzeugmarkt, Segelflieger, Modellbau, Flugzeug, Luftfahrtgeschichte, Raumfahrtgeschichte, Modellbau, Osteuropa, Zeitschrift, Rakete, Berlin, Militär, Flughafen, ILA, Aero, FLiEGERREVUE, rocket, plan, aviation, space travel, aerospace, air, airport, history, Alle, Anfänger, Erwachsene, Experten, Fans, Flieger, Fortgeschritttene